Beikost nach Bedarf

Einführung von Beikost nach Bedarf

Die natürliche Fortsetzung des Stillens nach Bedarf ist die Einführung von Beikost nach Bedarf. Das sogenannte «Baby-led weaning». Dein Baby braucht nämliche keinen Brei, sondern kann - sobald alle Beikostreifezeichen erfüllt sind - vom Familientisch mitessen. Es erhält dazu so lange Muttermilch oder Pre-Nahrung, bis es von der festen Nahrung satt wird. So erforscht es Konsistenzen, trainiert die Kaumuskeln, schult die Hand-Augen-Koordination, hat Spass, lernt Geschmäcker kennen und isst mit allen Sinnen. Es entscheidet selbst, was und wieviel es probieren möchte und erlebt sich dadurch schon früh selbstwirksam, was sich positiv auf seine Entwicklung auswirkt.

 

Das Schöne daran: du musst nicht separat kochen, nie spezielle Babynahrung dabei haben und die ganze Familie isst gemeinsam! Das Baby ist von Natur aus mit den Fähigkeiten und Reflexen ausgestattet, sicher und selbständig zu essen. Du wirst staunen, was dein Baby alles kann!

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Wann ist das Baby bereit für feste Nahrung?

Bevor du deinem Baby feste Nahrung anbietest, müssen die Beikost-Reifezeichen erfüllt sein. Der Zeitpunkt, wann dies der Fall ist kann von Kind zu Kind variieren, aber das Baby sollte ungefähr 6 Monate alt sein. Ab 6 Monaten solltest du deinem Kind gemäss WHO Empfehlung regelmässig Beikost anbieten - das Kind darf dann jedoch selber entscheiden, wann es davon essen möchte. Das kann durchaus erst mit 10 Monaten oder später der Fall sein.

 

Beim «Baby-led weaning» geht es nicht darum, Stillmahlzeiten zu ersetzen (wie das bei Breigabe häufig das Ziel ist) oder darum, dass das Kind möglichst bald von fester Kost satt wird. Es geht vielmehr darum, das Kind in seinem eigenen Tempo an feste Nahrung heranzuführen. Daher wird das Kind in der Regel auch vor der Mahlzeit noch gestillt. Die Beikostreifezeichen sind:

  • Das Baby kann den Kopf allein halten und mit wenig Unterstützung aufrecht sitzen.
  • Der Zungenstossreflex ist verschwunden, das heisst, das Baby schiebt die Nahrung nicht wieder mit der Zunge aus dem Mund heraus (dies wird häufig bei zu früher Breigabe beobachtet).
  • Das Baby kann Essen selbständig greifen und zum Mund führen.

Sicherheit & Tipps für gutes Gelingen

  • Lass dein Baby niemals allein beim Essen.
  • Das Baby muss aufrecht sitzen. Zum Beispiel gut gestützt in einem Kindersitz oder auf deinem Schoss.
  • Gib dem Baby kein Essen in den Mund. Wenn es das Essen noch nicht selber greifen kann, ist es ziemlich sicher noch nicht bereit für feste Nahrung.
  • Greif nicht ein, wenn das Baby hustet oder würgt: Fass nicht in den Mund. Klopf nicht auf den Rücken, wenn es aufrecht sitzt! Dadurch kann die Nahrung noch weiter in den Hals rutschen.
  • Hol dir fachlichen Rat, wenn in der Familie Lebensmittel-Allergien bekannt sind.
  • Mach dich mit den Erste-Hilfe-Massnahmen bei Aspiration vertraut. Dies ist übrigens so oder so eine gute Idee, denn Babys können sich auch an Brei oder anderen Gegenständen verschlucken (www.samariter.ch)

Ausserdem solltest du folgendes berücksichtigen:

  • Lass dem Baby Zeit. Lass es spielen und matschen.
  • Dränge das Baby nicht. Zwinge es nicht zum (Auf-)essen.
  • Setze Essen nie zur Manipulation (Belohnung/Bestrafung) ein.
  • Biete dem Baby kein Essen an, wenn es müde ist oder Hunger nach Milch hat.
  • Lenke das Baby nicht ab.
  • Das Baby darf Nahrungsmittel verweigern – biete sie einfach ein anderes Mal wieder an.

Welche Lebensmittel sind geeignet und welche nicht?

Du musst Lebensmittel nicht einzeln oder nach einer bestimmten Reihenfolge einführen. Es gibt nur wenige Lebensmittel, die für Babys nicht geeignet sind. Neue Lebensmittel werden idealerweise "unter dem Schutz" des Stillens eingeführt. So wird die Gefahr von Allergien vermindert. Abgesehen von wenigen Ausnahmen isst das Baby das gleiche wie der Rest der Familie. Biete eine ausgewogene Auswahl gesunder, frischer Lebensmittel von guter Qualität an. Die folgenden Listen geben dir einen guten Überblick.

Grundsätzlich geeignet sind:

  • Obst
  • Gemüse
  • Kartoffeln
  • Getreideprodukte
  • Milchprodukte
  • Eier
  • Fisch, Fleisch und Geflügel
  • Fette und Öle

Beachte noch folgende Hinweise:

  • Maximal 1 Gramm Salz pro Tag
  • Wenig bis gar kein Zucker
  • Fettreduzierte Lebensmittel und Lebensmittel mit Aromen und Zusatzstoffen meiden
  • Ballaststoffe und Vollkornprodukte mit Mass anbieten
  • Milch nicht als Getränk anbieten (zum Kochen ist sie unbedenklich)
  • Quark und Joghurt im ersten Jahr nicht oder nur mit Mass anbieten
  • Fisch gut entgräten
  • Steine / Kerne aus Obst entfernen
  • Hartes Obst / Gemüse dämpfen
  • Runde, glatte Lebensmittel wie z.B. Maiskörner, Heidelbeeren, Erbsen, Bohnen sind erst ab Pinzettengriff unbedenklich
  • Cherrytomaten, Trauben etc. halbieren
  • Salat klebt am Gaumen
  • Getränke mit Zucker, Koffein, Teein oder Kohlensäure sind ungeeignet

Vermeiden solltest du:

  • Honig und Ahornsirup: können für Babys gefährliche Sporen enthalten
  • Ganze Nüsse: bergen für Babys und Kleinkinder Erstickungsgefahr
  • Rohes Fleisch, roher Fisch, rohe Eier und Rohmilchprodukte: können Salmonellen und Bakterien enthalten

Buchtipps rund ums Thema Beikost nach Bedarf

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Bildquelle: Bild im Titel von Tatje Baartig Prang