Warum Tragen?

Körperkontakt ist ein genauso wichtiges Bedürfnis wie Essen oder Schlafen. Und genauso natürlich, denn der angeborene (Überlebens-) Instinkt des Babys sagt ihm, dass es nur in deiner Nähe sicher ist. Eigentlich ganz logisch, wenn man bedenkt, dass unsere Instinkte noch aus der Steinzeit stammen. Damals zogen die Menschen von Ort zu Ort, es lauerten überall Fressfeinde und andere Gefahren. Ein Baby, das irgendwo abgelegt wurde, hätte vermutlich nicht lange überlebt.

 

Auch wenn die Welt heute etwas sicherer geworden ist, lohnt es sich, dem Baby die benötigte Nähe zu geben. Erfüllst du das Bedürfnis nach Nähe - idealerweise bevor dein Baby schreiend danach verlangt - können dein Baby und du von vielen Vorteilen profitieren.

Vorteile für das Kind

  • Sanfter Start ins Leben - Das Leben ausserhalb der warmen, gemütlichen Gebärmutter ist ganz schön hart für ein so kleines Wesen. Es ist kalt und hell und lärmig. Getragen zu werden, gibt dem Baby etwas von der Gebärmutteratmosphäre zurück und hilft ihm, sich langsam an das Leben ausserhalb anzupassen.
  • Sichere Bindung - Körperliche Nähe zu seinen Liebsten ist ein Grundbedürfnis eines Säuglings. Durch das Tragen wird dieses Bedürfnis erfüllt, was zu einer sicheren Bindung zwischen Eltern und Kind beiträgt. Und eine sichere Bindung wiederum macht das Kind später selbstbewusster, ausgeglichener und selbständiger.
  • Lebensnotwendige Funktionen - Tragen unterstützt lebenswichtige Funktionen. Das Baby hört Herzschlag und Atmung. Das hilft ihm beim Einpendeln seines eigenen Atemrhythmus. Auch die Temperatur des Babys wird durch die Nähe zur Trageperson reguliert. Es wird gewärmt oder gekühlt, je nach dem, was es gerade braucht.
  • Körperliche Entwicklung - Wird ein Kind getragen, gleicht es ständig die Bewegungen der Trageperson aus. So werden seine Muskeln gestärkt und die motorische Entwicklung gefördert. Auch die Reifung der Hüften und der Wirbelsäule wird optimal unterstützt.
  • Ein Fest für die Sinne - Das Baby sieht, hört und riecht die verschiedensten Dinge, wenn es getragen wird. Durch die Bewegung wird der Gleichgewichtssinn angeregt und durch Berührungen, Druck und Vibrationen der Tastsinn stimuliert. Das Tolle dabei: Beim Tragen ist das Baby in einem Zustand von entspannter Aufmerksamkeit – dem idealen Zustand zum Lernen!
  • Koliken ade - Durch die Wärme am Körper und die ständige Bewegung wird die Verdauung stimuliert. Das Bäuchlein wird konstant massiert - und Bauchkoliken werden reduziert.
  • Immer mit dabei - Babys müssen nicht stundenlang bespasst werden. Am Körper getragen sind sie mitten im Geschehen und doch geborgen. Wenn es müde wird, kann das Baby sich an dich kuscheln und schlafen.

Am Körper getragen erholt sich dein Baby wunderbar von den vielen Reizen des Alltags. Es findet leichter seine Balance und weint viel weniger. Ausserdem schläft ein entspanntes Baby besser.



Vorteile für die Trageperson

  • Mehr Kompetenz - Spürst du jede Regung deines Kindes sofort, kannst du feinfühlig reagieren und seine Bedürfnisse rasch erfüllen. So wirst du kompetent und sicher im Umgang mit dem Baby und diese Sicherheit wirk beruhigend auf dein Kind.
  • Mehr Harmonie - Häufig getragene Babys schreien weniger und schlafen oft nachts besser. So hast du nicht nur ein ausgeglichenes Kind, sondern bist auch selber fit und zufrieden.
  • Mehr Freiheit - Ein praktischer Aspekt des Tragens ist, dass du die Hände frei hast für andere Dinge. Ein Geschwisterkind, den Haushalt, ein Hobby. Du musst dich nicht ab dem sperrigen Kinderwagen im ÖV ärgern, oder darüber, dass sich Lift oder Unterführung ausgerechnet am anderen Ende des Perrons befinden.
  • Mehr Fitness - Babytragen ist das praktische Fitnesstraining im Alltag. Mit einer guten Trageweise trainierst du im Alltag mit dem steigenden Gewicht deines Kindes. Deine Rückenmuskulatur und dein Beckenboden werden gestärkt.

Tipps für schöne Tragemomente

  • Es gibt kein Zuviel! Du kannst dein Baby durch häufiges Tragen nicht verwöhnen, auch wenn dir das einige Leute einreden wollen. Hör auf dein Herz und geniesse die Nähe!
  • Achte jederzeit auf freie Atemwege und Frischluftzufuhr! Tuch, Träger oder Jacken über dem Gesicht des Babys sind gefährlich.
  • Sorge für eine gute Stützung im oberen Rücken durch sattes, straffes Binden. Viele Babys weinen, wenn das Tuch oder die Tragehilfe zu locker sind, denn dann sackt es in sich zusammen und das Atmen wird anstrengend.
  • Ermögliche deinem Baby die Anhock- Spreiz-Haltung, bei der die Knie höher sind als der Po und sich der Rücken schön einrundet. ACHTUNG: Herunterhängende Beine ergeben einen ungesunden Zug auf das unreife Hüftgelenk und das Baby sitzt auf seinen Genitalien.
  • Trage dein Baby immer mit dem Gesicht zu dir. Nur so kann es eine gesunde, bequeme Haltung einnehmen und wird nicht von ungefilterten Eindrücken überreizt. Will das Baby mehr sehen, gehört es auf deinen Rücken oder deine Hüfte. Wir zeigen dir gern in einer Beratung, wie’s geht.
  • Jedes Baby will getragen werden. Falls nicht, gibt es dafür immer einen Grund. Wir helfen dir gern, ihn zu finden.