Häufige Fragen


Verwöhne ich mein Kind durch das Tragen?

Nein! Leider glauben noch immer viele Leute, man könne ein Baby verwöhnen und es dadurch unselbständig oder gar zu einem kleinen Tyrannen machen. Das ist falsch. Nähe ist ein Grundbedürfnis des Säuglings, genauso wie Essen oder frische Windeln. Er möchte einfach nur sein Bedürfnis erfüllt wissen - und hat noch gar nicht die Fähigkeit, uns bewusst zu manipulieren. Ein Baby hat massvolle Bedürfnisse und werden diese erfüllt, entwickelt es ein starkes Urvertrauen. Es wird ausgeglichen, selbständig und sozial kompetent.

 

Verwöhnen wird erst nach dem Säuglingsalter zum Problem. Da kann es passieren, dass das Kind mehr haben will als es braucht - und wir es ihm geben. Dem Kind zu viele Spielsachen oder Süssigkeiten zu kaufen, es ständig zu bespassen und von jeglicher Frustration fernzuhalten. Das ist Verwöhnen.

 

Wenn dich das Thema Verwöhnen mehr interessiert, findest du hier einen ausführlichen Artikel dazu: Warum man Babys nicht verwöhnen kann.


Wie häufig soll ich mein Kind tragen?

Es ist wissenschaftlich nicht geklärt, ob Tragen nach dem Prinzip "je mehr desto besser" funktioniert oder ob ein gewisser Grundstock an Tragzeit ausreicht, um von all den Vorteilen zu profitieren. Es gibt Studien, die zeigen, dass Kinder bis zu 50% weniger schreien, wenn sie 2-3 Stunden am Tag getragen werden. Auch sicher ist, dass es Kinder gibt, die mehr Nähe brauchen als andere. Je nach Temperament und Persönlichkeit.

 

Du musst also für dich und dein Kind herausfinden, wieviel Tragen euch gut tut und im Alltag machbar ist. Wichtig ist, dass ihr das Tragen geniessen könnt.


Mein Kind will mehr sehen, soll ich es mit dem Gesicht nach vorne tragen?

Bitte nicht! Auch wenn du dem Kind vermeintlich etwas Gutes tust, ist das Tragen nach vorn nicht sinnvoll. Kinder, die mehr sehen wollen, gehören auf den Rücken oder auf die Hüfte. In einer Trageberatung lernst du die für dich passende Trageweise kennen.

 

Warum nicht nach vorn:

  • Häufig hängen bei dieser Trageweise die Beine nach unten. So entsteht ein Zug auf die unreifen Hüftgelenke, was später zu Hüftproblemen führen kann. Zudem wird der Schambereich stark belastet - besonders bei Jungen kann dies später zu Problemen führen.
  • Das Kind kann keine korrekte Anhock-Spreiz-Haltung mehr einnehmen. Der untere Rücken kann sich nicht richtig einrunden und das Kind fällt ins ungesunde und unbequeme Hohlkreuz. So können Haltungsschäden und Rückenschmerzen entstehen.
  • Das Kind hat keine Chance, sich gemütlich an dich zu kuscheln, wenn es müde wird.
  • Dem Kind fehlt Halt - es kann mit seinen Beinchen weniger Ausgleichbewegungen machen und sich nicht an deinem Körper stabilisieren. Kein tolles Gefühl.
  • Das Kind hat keine Möglichkeit, den Kopf abzuwenden, wenn es plötzlich genug von all den Sinneseindrücken und Reizen hat. Eine solche Reizüberflutung kann zu abendlichen Schreistunden führen, oder dazu, dass das Kind nicht mehr abschalten kann und schlecht einschläft.
  • Das Kind verliert dich - seine wichtigste Bezugsperson - aus dem Blickfeld.
  • Bei einigen Traghilfen ist beim nach vorn gerichteten Tragen eine Schicht Stoff zwischen dir und dem Kind. So verliert das Kind dich nicht nur visuell als Fixpunkt, sondern kann dich auch nicht mehr gut spüren.

Übrigens: Am Rücken des Säuglings befinden sich mehr gegen Kälte isolierende Fettzellen als am Bauch. Ein Hinweis der Anatomie darauf, dass Babys zum Tragen mit dem Bauch zur Trageperson gemacht sind.


Mein Kind wird nicht gern getragen. Was nun?

Es liegt in der Natur von Menschenkindern, getragen zu werden. Auch wenn nicht alle gleich viel Nähe brauchen und einfordern - Babys, die grundsätzlich nicht getragen werden möchten, gibt es nicht. Das wage ich jetzt mal so zu behaupten. Das würde nämlich all ihren instinktiven Erwartungen und ihrem angeborenen Verhalten widersprechen.

 

Trotzdem kann es natürlich sein, dass sich dein Baby beim Tragen nicht wohl fühlt. Dann liegt die Ursache dafür ziemlich sicher nicht beim Tragen an sich, sondern hat einen anderen Grund. Diese Fragen helfen dir, dem auf die Spur zu kommen:

  • Sind alle anderen Bedürfnisse befriedigt? Hat das Baby Hunger? Friert oder schwitzt es?
  • Ist die Windel voll oder muss dein Baby mal? Manche Babys werden nicht gern getragen, wenn sie "mal müssen", denn sie wollen ihre Trageperson nicht beschmutzen.
  • Kannst du körperliche Beschwerden ausschliessen? Hat das Baby Hüftprobleme oder eine Blockade? Ist es krank, zahnt es?
  • Ist das Tuch korrekt gebunden bzw. die Tragehilfe richtig angelegt? Drücken irgendwo Schnallen oder Tuchstränge? Sitzt die Kleidung richtig? Ist das Kind gut gestützt oder sackt es in sich zusammen?
  • Stimmt die Haltung des Kindes (eingerundeter Rücken, Anhock-Spreiz-Haltung, Steg von Kniekehle zu Kniekehle)?
  • Läuft genug? Manche Kinder mögen es nicht, im Tuch oder der Traghilfe zu sein, wenn die Trageperson sich nicht bewegt. Vielleicht möchte es auch nach einer längeren Tragezeit mal wieder auf den Boden liegen und spielen.
  • Ist das Baby unruhig, weil es gern mehr sehen will und du noch vor dem Bauch trägst? Dann ist jetzt der Zeitpunkt, dein Kind auf dem Rücken zu tragen.
  • Manche Babys weinen während dem Einbinden, beruhigen sich aber rasch, wenn dann alles richtig sitzt und man mit ihnen herumläuft. Hast du zu früh aufgegeben?
  • Fühlst DU dich mit dem Tragen wohl? Dein Kind hat feine Antennen und spürt, wenn du dich unsicher oder unwohl fühlst beim Tragen. Passt dir die Tragehilfe oder die Trageweise? Ist es bequem? Magst du die Nähe?

Tragen ist nichts für mich. Bin ich jetzt eine schlechte Mutter?

Nein. Tragen macht nicht jedem Spass. Und damit Mutter und Kind wirklich davon profitieren, solltet ihr beide es geniessen können. Tragen ist die einfachste und natürlichste Art und Weise, dem Baby Nähe zu geben und es in seiner körperlichen und geistigen Entwicklung zu fördern. Jedoch kannst du die meisten Vorteile, die das Tragen mit sich bringt, auch auf andere Weise erreichen:

  • Für eine sichere Bindung benötigen Babys viel Körperkontakt und einen feinfühligen Umgang. Kuschle viel mit deinem Baby. Vielleicht ist Babymassage etwas für dich? Nimm die Signale deines Babys früh wahr und reagiere prompt darauf.
  • Auch wenn du dein Kind nicht stundenlang im Tuch oder der Traghilfe tragen magst, heb es trotzdem so oft wie möglich hoch, halte es im Arm und erlaube ihm so, seinen Gleichgewichtssinn zu schulen.
  • Ermögliche deinem Baby die verschiedensten Sinneseindrücke. Zeig ihm die Welt ausserhalb des Kinderwagens oder Laufstalls! (Achtung: Ist das Baby dabei nicht im Schutz deiner sicheren Arme, kann es schneller überreizt werden.)

Ich kann aus gesundheitlichen Gründen nicht tragen. Wird sich mein Kind jetzt weniger gut entwickeln?

Siehe die Antworten zur Frage oben "Tragen ist nichts für mich." Die wichtigen Vorteile des Tragens kannst du auch anders erreichen!

 

Vielleicht ist es eine Möglichkeit, dass andere Personen wie Papa, Oma, Gotti oder Götti das Baby tragen, wenn es dir nicht möglich ist. Menschen sind eine gemeinschaftlich aufziehende Spezies und es schadet dem Baby keinesfalls, wenn es durch andere Personen als die Mutter getragen wird. Besonders für Väter wird so eine tiefe Bindung zum Kind ermöglicht.


Hat Tragen auch Nachteile?

Tragen ist toll, gesund, förderlich, praktisch und so weiter. Wo ist der Haken? Hat Tragen auch Nachteile?

 

Für das Kind - nein. Sofern die Kriterien für gesundes, ergonomisches Tragen erfüllt sind.

 

Für uns Mamas ist Tragen allerdings eine ziemliche körperliche Belastung, da wir uns das von unserer Lebensweise her kaum gewohnt sind. Insbesondere nach der Geburt sollten wir eigentlich keine Lasten mit uns herumtragen und unserem Körper Zeit geben, sich zu erholen. Natürlich tragen wir trotzdem und das ist auch okay. Aber vielleicht könnten gerade am Anfang die Papas, Omas, Opas, Gottis und Göttis vermehrt beim Tragen helfen. Dem Baby schadet es jedenfalls nicht, wenn mal jemand anders als die Mama es trägt. Im Gegenteil!

 

Das Tragen auf dem Rücken schont übrigens den Beckenboden und den Rücken am meisten. Wie du schon ab Geburt auf dem Rücken tragen kannst, lernst du in einer Beratung.